Nicht jede Wand trifft im rechten Winkel auf ihre Nachbarin, und nicht jede Wand ist gerade — ArchiCut behandelt Schrägecken mit Winkellehren und gebogene Wände mit Biegeritzung.
Schräg-Ecken: Winkellehren
Weicht ein Wandstoß um mehr als 1,5° vom rechten Winkel ab, behandelt ArchiCut ihn als Schrägecke: Die Pappe wird bis zur Langkante gelasert (also ohne Lücke im Stoß), und eine gestrichelte Ritzlinie (Magenta, Gravur — nicht schneiden!) markiert, wo der überlappende Zwickel mit dem Cutter abzuschneiden ist. Bei gestapelten Wänden bekommt jede Lage ihre eigene Ritzlinie (Diagonal-Zuschnitt je Lage).
Winkellehren als Schablone: Zu jedem Winkel, der öfter im Modell vorkommt, druckt ArchiCut auf dem letzten Bogen (der mit der dicksten verwendeten Pappe) ein Winkellehren-Paar:
- LEHRE <Winkel> W<n> I — ein Haus-Symbol, das du mit dem „Giebel“ in die Ecke hältst.
- LEHRE <Winkel> W<n> A — ein gekerbtes Rechteck, das du von außen über die Ecke legst.
Die passende W-Nummer steht auch im Grundriss an jeder Ecke mit demselben Winkel — gleiche Nummer heißt gleiche Schablone, du kannst sie also wiederverwenden, statt für jede Ecke neu zu messen.
Zwei Warnfälle:
- „!! Federkante (<30 Grad)“ — die Fase ist sehr spitz und dadurch fragil. Vorsichtig schneiden und kleben, sie bricht leicht ab.
- „Splitterwinkel unter ~6 Grad“ — ein so spitzer Stoß, dass er sich nicht mehr sauber auflösen lässt. ArchiCut warnt dich in diesem Fall explizit im Bericht statt eine unbrauchbare Geometrie zu erzeugen.
Rundwände: Biegeritzung
Gebogene Wände (Bogenwände) zerlegt ArchiCut in dünne, biegsame Lagen (maximal 1,0 mm dick — dickere Pappe lässt sich nicht sauber biegen) und versieht die konkave Seite mit einem Biege-Ritzmuster (Cyan, Layer SCORE). Der Abstand der Ritzlinien ist im Erweitert-Bereich unter „Rundwände: Biege-Ritzabstand“ einstellbar (Standard 3,0 mm).
So baust du eine Rundwand:
- Ritzmuster auf die konkave Seite (Innenseite der Krümmung) legen — Kerbtiefe etwa 2/3 der Pappe, alternativ mit dem Cutter leicht entlang der Linien einschneiden.
- Über einer Rundform (z. B. einem Rohr passenden Durchmessers) biegen und fixiert trocknen lassen.
- Lagen von innen nach außen verkleben — jede Lage hat eine eigene Länge (die innere ist kürzer als die äußere), die Enden schließen jeweils auf derselben Radialebene ab.
Wichtig bei mehrlagigen Rundwänden: Die Innenlage ist gespiegelt gelasert. Beim Verkleben musst du sie umdrehen (Ritzseite zur Klebefläche) — nur so sitzen Öffnungen (Fenster/Türen) richtig, und die sichtbare Rauminnenseite bleibt frei von Gravur. Einlagige Rundwände bleiben normal konkav geritzt, die Kerben schließen sich beim Biegen von selbst.
Reicht keine angehakte Pappstärke bis 1,0 mm für eine echte Rundung, meldet ArchiCut eine ACHTUNG [Rundwand]-Karte und baut stattdessen einen Facetten-Streifen (viele kurze gerade Segmente statt echter Krümmung) — für eine glatte Rundung also mindestens eine dünne Pappstärke (≤ 1,0 mm) im Dialog anhaken.
Tipp
Sowohl Winkellehren als auch Rundwand-Biegung sind materialabhängig — teste beides an einem kleinen Reststück Pappe, bevor du das ganze Modell schneidest: einen Winkel probeweise falten bzw. einen kurzen Streifen probeweise biegen, und den Ritzabstand danach im Dialog feinjustieren.
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